Wettbewerbsbeitrag · Stadt Sindelfingen – Neugestaltung „Untere Planie“ Sindelfingen

Architektur 6H mit Frank Roser, Landschaftsarchitekt · Realisierungswettbewerb · 2026

Konzeptvergabe „Untere Planie“ Sindelfingen

Architektonisches und städtebauliches Konzept

Die „Untere Planie“ bildet den Übergang vom modern geprägten, großräumigen Marktplatz zur recht homogenen historischen Altstadtbebauung. Der städtebauliche Entwurf definiert diesen Bereich einerseits als mar-kante westliche Kante des Marktplatzes – direkt vis-à-vis dem Alten Rathaus – und andererseits als einla-dendes Eingangstor zur kleinteiligeren Sindelfinger Altstadt. Um den Übergang vom Marktplatz und der Unteren Planie zur Altstadt neu zu definieren, wird als Herz- stück eine Abfolge von giebel- und traufständigen Ge- bäuden vorgesehen. Der Altstadteingang wird als aktives Gelenk zwischen diesen städtebaulichen Räumen ausgebildet. Weiter Durchgänge zum Ferkelmarkt und zur Un- teren Burggasse unterstreichen die Durchlässig- keit und führen die kleinteiligere Gliederung der Altstadt an die großräumigere, von der Moderne geprägte Innenstadt von Sindelfingen an und bil- det trotzdem eine städtebaulich raumbildende Kante im Bereich der früheren Stadtmauer. Auch die weiteren Bausteine im Ideenteil (und im Sü- den etwas darüber hinaus) helfen die Platzkante und den Übergang zur Untere Vorstadt zu formu- lieren.

Los 1

Für die Nutzung in Los 1 wird überwiegend Wohnen konzipiert. Die Wohnungen orientieren sich zum halböf- fentlichen ruhigen grünen Gartenhof. Durch ein Angebot unterschiedlicher Wohnungsgrößen wird es eine soziale und demographische ausgewogene Mischung der Bewohner gefördert. Für einen Teil der Stellplätze ist eine Tiefgarage unter dem begrünten Innenhof vorgesehen. Der erste Ret- tungsweg wird über das als offene Stahlbetonkonstruktion konzipierte Treppenhaus sichergestellt; der zweite Rettungsweg erfolgt vom Innenhof aus über tragbare Leitern der Feuerwehr.

Los 2

Der Erdgeschossbereich bietet Raum für eine vielfältige gastronomische Nutzung. Insbesondere der Bereich um den Altstadtzugang kann dabei nach drei Seiten ebenerdig gastronomisch be- spielt werden. Ein separater Veranstaltungsraum für geschlossene Gesellschaften schließt im nördlichen Be- reich an und kann über den zentralen Küchenbereich direkt mitversorgt werden. Die Anlieferung erfolgt im nördlichen Bereich der Planie. Über einen Durchladeaufzug werden sowohl die Lagerräume im Obergeschoss als auch die Küche optimal angebunden. Aufgrund der Topographie bietet es sich in diesem Bereich zudem an, einen kleinen Kellerbereich als Lager für die Außenmöblierung vorzuse- hen. Für den zweiten Rettungsweg sind die Gebäude sowohl von der Planie als auch über die Untere Burggasse für die Feuerwehr anfahrbar.

Freiraumkonzept

Der Gestaltung der Freianlagen kommt am Übergang vom neuen Markt- platz zur Altstadt eine wichtige Rolle zu. Burggasse und Marktplatz wer- den zukünftig enger miteinander verknüpft: die Durchgänge werden viel durchlässiger, wahren jedoch bewusst eine altstadttypische Dimension. . Das in der Burggasse vorhandene Kleinsteinpflaster wird erhalten bzw. neu verlegt und zu einem durchgängigen, ruhigen Pflasterteppich weiter- geknüpft. Am Ferkelmarkt, an der Kurve der Burggasse und direkt am Übergang zu Marktplatz entstehen wie selbstverständlich kleine Plätzchen mit ho- her Aufenthaltsqualität. Räumlich prägnant stehen hier einige Bäume. Sie geben Schatten und Verdunstungskühle, hier wird der Pflasterteppich variiert, zurückhaltende Sitzgelegenheiten bringen Aufenthaltsqualität (auch ohne einen Kaffee trinken zu müssen). Für Außengastronomie sind der Ferkelmarkt und das Plätzchen südlich der Stadtmauer prädestiniert, doch der die fast autofreien Flächen laden überall dazu ein, ein paar Stühle und Tische im Freien aufzustellen.

Materialität - Tragwerk - Ökologie

Kompakte Baukörper und wenige, sorgfältig gewählte natürliche Materialien sollen für Nachhaltigkeit und langfristigen Wert- erhalt sorgen. Die Gebäude sollen überwiegend als Massivbauten mit monolithischen Ziegelwänden und verputzten Außen- wänden und Holz-Alu-Fenstern erstellt werden. Kompakte gut gedämmte Baukörper ermöglichen eine besonders hohe Behaglichkeit bei sehr geringem Energieverbrauch. Mit vorwiegend passiven Komponenten, Wärmeschutzfenstern, den hoch wärmegedämmten Massivbauten und einer Kom- fortlüftung mit effizienter Wärmerückgewinnung ist das Konzept ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Für eine flexible Licht- und Schattensteuerung sowie zur Wahrung der Privatsphäre dienen die außenliegenden Sonnen- schutzelemente. Mit Markisen in den Laden und Gastronomiezonen im Erdgeschoss und mit textilen Sonnenschutzscreens bzw. Raffstoren in den Obergeschossen. Die steilen geneigten Dächer sind als Holzkonstruktion mit Ziegeldeckung geplant. Einzeln gesetzte Dachgauben sollen den insgesamt ruhigen Eindruck der steilen Dachflächen mit der Belichtung der Maisonettewohungen in Einklang bringen. Die Kombination aus kompakter Bauweise und hochwärmegedämmten Massivmauerwerkswänden sorgt für eine hervorra- gende thermische Behaglichkeit bei minimalem Energieverbrauch. Durch die hohe thermische Speichermasse des Ziegel- mauerwerks bleibt das angenehme Raumklima auch bei sommerlichen Hitzeperioden stabil. Zusammen mit vorwiegend passiven Komponenten, hocheffizienten Wärmeschutzfenstern und einer kontrollierten Komfort- lüftung mit Wärmerückgewinnung leistet das Energiekonzept einen aktiven und zukunftsweisenden Beitrag zum Klimaschutz.

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