Wettbewerbsbeitrag · Gemeinde Leutenbach Ortsteil Nellmersbach – Neue Mitte Nellmersbach
Architektur 6H mit AG Freiraum · Nicht offener Realisierungswettbewerb · 2026
Perspektive
Vogelperspektive Pikto
EG Grundriss
Ansicht NO
Schnitt Foyer & Bücherei
Ansicht SO
Ansicht SW
Fassaden Schnitt-Ansicht
Model
Neue Mitte Nellmersbach
Städtebau – Gebäudekonzept – Nutzungsverteilung
Am Bruckwiesenweg wird die Neue Mitte für Nellmersbach mit der Setzung des Bürgerhauses gegenüber der Mehrzweckhalle definiert. Zwischen Sportplatz, der Gastronomie der Mehrzweckhalle und dem neuen Bürgerhaus spannt sich ein urban geprägter Platzraum für die vielfältigen Nutzungen für alle Benutzergruppen der Nellmersbacher Bürger auf. Die TG Zufahrt für die Bewohnerparkplätze und eine Pergola mit überdachten Fahrrahständern ist seitlich an der Aue des geöffneten Höllachbachs plaziert. Eine teilüberdachte, einladenden Platzfassade, mit der Möglichkeit der gastronomischen Versorgung aus der angrenzenden Küche, bildet den identitätsstiftende Raum für die Neue Mitte von Nellmersbach. Ein durchgestecktes Foyer verbindet die Neue Mitte über den landschaftlich geprägten Bürgerpark nach Westen, zu der Grundschule und dem Ortskern. Der kleine und große Bürgersaal lassen sich zu diesem Foyer öffnen Auch die angrenzende Ortsbücherei und die ebenfalls im Erdgeschoss verortete Tagespflege profitieren von dieser Anbindung und ermöglichen vielfältige, intergenerative Veranstaltungsformen – von gemeinsamen Lese- und Bastelangeboten für Schüler und Senioren. Auf der linken Gebäudeseite sind die gewerblichen Nutzungen, Tagespflege, Praxis und die Wohnungen über ein offenes Treppenhaus erschlossen. Das 1. Obergeschoss ist als Zwischengeschoss für die Praxis, die Galerieebene der Bücherei, Technik und die Lufträume der größeren Räume ausgebildet. Die Wohnungen im 2. Obergeschoss, die sich zu den ruhigeren Seiten orientieren – nach Südosten zur neuen Flussaue sowie nach Nordwesten mit weitweitem Blick über die Mehrzweckhalle in die Landschaft. Zwischen den Wohnbereichen liegt geschützt über dem Foyer ein gemeinschaftlicher Bewohnergarten.
Freiraum
Landschaft und Vernetzung
Der Freiraum bildet das verbindende Gerüst des Entwurfs. Als zusammenhängender Landschaftsraum umfließt er das Bürgerhaus, verknüpft Architektur und Landschaft und bindet die angrenzenden Nutzungen zu einem qualitätsvollen öffentlichen Freiraumsystem zusammen, welches die übergeordnete Wegebeziehung vom Bahnhof über das Vereinsheim zum alten Ortskern stärkt.Der Bürgerpark sowie die Freilegung des Bachlaufs prägen das Plangebiet als identitätsstiftender Landschaftsraum. Das naturnah gestaltete Ufer, Sitzstufen und direkte Wasserzugänge schaffen hohe Aufenthaltsqualität und machen den Bach erlebbar. Die Tagespflege und auch die Bibliothek orientieren sich bewusst zu diesem ruhigen Grünraum.
Aufenthalt und Nutzung
Westlich des Bürgerhaushauses erweitern Lesegarten und Bürgerpark die öffentlichen Nutzungen in den Freiraum. Spielangebote, Outdoor-Fitnessgeräte und schattige Aufenthaltsbereiche schaffen ein generationenübergreifendes Angebot. Zwischen Bürgerhaus und Sporthalle bildet ein multifunktional nutzbarer Quartiersplatz mit Außengastronomie und Veranstaltungsflächen den lebendigen Mittelpunkt des Ensembles. Die Fahrradstellplätze sind oberirdisch entlang der Tiefgaragenrampe unter einer Pergola angeordnet und selbstverständlich in die Erschließung integriert. Zwei behindertengerechte Stellplätze ermöglichen einen barrierefreien Zugang zu allen Nutzungen.
Klima und Erschließung
Das Regenwassermanagement ist integraler Bestandteil der Freiraumgestaltung. Die Retentionsfläche wird als modellierte Landschaftsmulde ausgebildet und verbindet technische Funktion mit gestalterischer Qualität. Ein durchgehendes Freiraumband verknüpft Schule, Sportanlagen und den Weg zum Bahnhof zu einem zusammenhängenden Netz aus Grün-, Bewegungs- und Aufenthaltsräumen. Ein engmaschiges Wegenetz verbindet Ost und West und setzt sich im Gebäudeinneren fort. So greifen Innen- und Außenräume selbstverständlich ineinander und machen das Bürgerhaus zu einem offenen Treffpunkt im Quartier.
Tragwerk
Die Tragkonstruktion ist als Hybridbau konzipiert, bei dem die eingesetzten Baumaterialien entsprechend ihrer jeweiligen Stärken genutzt werden. Stahlbeton kommt in den Außenbereichen sowie überall dort zum Einsatz, wo hohe Masse oder ein erhöhter Brandwiderstand erforderlich sind. Holz bildet die innenliegende Tragstruktur sowie die Gebäudehülle. Saal und Foyer werden von einer sichtbaren Balkendecke überspannt. Die Zwischenräume der Balken können zur Integration der Haustechnik sowie von Schallabsorbern genutzt werden. Im Bereich des Saales sind die Holzbalken über eine dünne Stahlbetonschicht zu einer Holz-Beton-Verbunddecke (HBV-Decke) verbunden. Diese dient als Abfangdecke und trägt das darüberliegende Wohngeschoss. Dreigeschossige Gebäudeteil im Südwesten ist analog zum Wohngeschoss über dem Saal aufgebaut. Aufgrund der geringen Spannweiten kommen hier schlanke, materialsparende Flachdecken aus Brettsperrholz zum Einsatz. Auch hier sind die Decken sind mit einer dünnen Betonschicht versehen, um einen wirksamen Schallschutz zwischen den unterschiedlichen Nutzungsbereichen zu gewährleisten. Tragende Wände sowie die Gebäudehülle bestehen aus vorgefertigten Holzrahmenelementen. Die beiden Erschließungszonen sind als eigenständige Tragstrukturen aus Stahlstützen und Betonfertigteilplatten ausgebildet.
Energie- und Nachhaltigkeitskonzept
Ziel des Energie- und Klimakonzepts ist die Entwicklung einer nachhaltigen, ressourcenschonenden und wirtschaftlichen Neuen Mitte für Nellmersbach. Das Bürgerhaus versteht sich als klimaaktiver Baustein der Ortsentwicklung, der hohe Aufenthaltsqualität, thermischen Komfort und niedrige Betriebskosten mit einer konsequenten Reduktion von CO2 Emissionen verbindet. Architektur, Konstruktion, Freiraum und Energieversorgung bilden ein ganzheitliches System; die Anforderungen an Klimaanpassung, Starkregenvorsorge und Energieeffizienz sind integraler Bestandteil des Entwurfs.
Gelingen soll dies durch folgende Maßnahmen:
Ressourcenschonende Holzbauweise: Der hohe Anteil nachwachsender Rohstoffe reduziert die gebundene graue Energie, speichert langfristig CO2 und ermöglicht eine flexible sowie kreislauffähige Gebäudestruktur.
Robustes Low-Tech-Konzept: Der Fokus auf passive Maßnahmen reduziert die technische Komplexität, minimiert Investitions-, Wartungs- sowie Betriebskosten und erhöht die langfristige Betriebssicherheit.
Natürliche Lüftung & Nachtkühlung: Wettergeschützte und einbruchsichere Lüftungsflügel ermöglichen eine automatische Nachtlüftung zur passiven Abfuhr überschüssiger Wärme ohne energieintensive Anlagentechnik.
Geschossübergreifende Querlüftung: Frischluft strömt über die Fassadenöffnungen der Erdgeschossnutzungen (wie Mehrzweckräume und Ortsbücherei) ein und wird über das zentrale Foyer sowie öffenbare Oberlichter im Dachbereich abgeführt. Der thermische Auftrieb unterstützt die Luftbewegung auch bei hoher Belegung.
Thermisch aktivierte Lehm-Heiz- und Kühldecken: Sorgen für eine zugfreie, energieeffiziente Temperierung über Strahlung. Die feuchteregulierenden Eigenschaften des Lehms steigern die Raumklima- Behaglichkeit – ideal in Kombination mit der natürlichen Lüftung.
Fossilfreie Wärme- und Kälteversorgung: Erdsonden in Kombination mit einer Wärmepumpe stellen ganzjährig erneuerbare Energie zum Heizen und Kühlen mit niedrigen Betriebskosten bereit.
Photovoltaik: Großflächige PV-Anlagen auf den Dachflächen erzeugen erneuerbaren Strom direkt vor Ort zur Deckung des Eigenbedarfs der Gebäudetechnik.

